Mean Well HLG-Serie: Der komplette Kaufratgeber für Außenanwendungen

Wer ein LED-Netzteil für den Außenbereich sucht, landet früher oder später bei der Mean Well HLG-Serie. Und das aus gutem Grund: Kein anderes Modell aus dem Mean-Well-Programm vereint IP67-Schutz, CV+CC-Betrieb, 3-in-1-Dimmfunktion und einen Leistungsbereich von 40 W bis 600 W in einem einzigen, robusten Metallgehäuse. Dieser Ratgeber erklärt, welches HLG-Modell für welches Projekt passt – und worauf Sie beim Kauf konkret achten müssen. Alle HLG-Modelle finden Sie in unserem Mean Well Sortiment.

Merksatz Die HLG-Serie ist Mean Wells Premium-Außennetzteil: IP67-wasserdicht, CV+CC-Betrieb (Konstantspannung + Konstantstrom in einem Gerät), 3-in-1-Dimming (0–10 V, PWM oder Widerstand), 7 Jahre Garantie und ein Leistungsspektrum von 40 W bis 600 W. Ideal für Leuchtreklame, Straßenbeleuchtung, Architekturlicht und jede Außeninstallation mit professionellem Anspruch.

1) Warum HLG – und wann reicht eine günstigere Serie?

Die HLG-Serie ist nicht das günstigste Netzteil im Außenbereich – das ist die LPV-Serie, die ebenfalls IP67-zertifiziert ist. Der Unterschied liegt im Einsatzszenario:

  • LPV: Kostengünstig, einfache CV-Netzteile ohne Dimmfunktion. Richtig für unkomplizierte Außeninstallationen, bei denen weder Dimmen noch hohe Leistungen gefragt sind (bis 100 W).
  • HLG: Professionelle Außenanwendungen, die Dimmung, hohe Leistung (bis 600 W), Konstantstromausgänge oder 7 Jahre Garantie erfordern. Hier zahlt sich die Investition aus.

Die HLG-Serie lohnt sich immer dann, wenn die Anlage langfristig betrieben wird (Straßenbeleuchtung, Fassadenbeleuchtung, permanente Werbeanlagen), wenn Dimmen vorgesehen ist, oder wenn der Verbraucher einen definierten Konstantstrom benötigt – also bei Power-LEDs oder COB-Modulen statt bei einfachen LED-Streifen.

2) Das Modellsystem verstehen: Was bedeuten die Kürzel?

Mean Well codiert alle wichtigen Eigenschaften direkt im Modellnamen. Ein Beispiel: HLG-240H-24B

  • HLG – Produktserie (High-power LED driver)
  • 240 – Nennleistung in Watt
  • H – Metallgehäuse (Standard; ohne „H" = Kunststoff, nur bei kleineren Modellen)
  • 24 – Ausgangsspannung (hier: 24 V)
  • Suffix (letzter Buchstabe) – Funktionsvariante:
    • Kein Suffix: Kein Dimmen, IP67, Kabelanschluss
    • A: IP65, Potentiometer zur Spannung-/Stromjustierung (kein Dimmen)
    • B: IP67, 3-in-1 Dimming (0–10 V / PWM / Widerstand) – meistverkaufte Variante
    • AB: IP65, Potentiometer + 3-in-1 Dimming kombiniert
    • D: Timer-Dimming (programmierbar; nur auf Anfrage)
Praxis-Tipp: Für die meisten professionellen Außenprojekte mit Dimmfunktion ist der B-Typ (IP67 + 3-in-1) die richtige Wahl. Wenn Sie keinen Dimmer benötigen, aber die Spannung vor Ort nachjustieren möchten, nehmen Sie den A-Typ. Für ein fixes Setup ohne Extras genügt der Typ ohne Suffix.

3) Welche Leistungsstufe passt zu Ihrer Anwendung?

Die HLG-Serie deckt mit elf Leistungsstufen nahezu jede Außenanwendung ab. Hier eine praxisorientierte Zuordnung:

Modell Leistung Typische Anwendung Verfügbare Spannungen
HLG-40H 40 W Kleine Leuchtreklamen, Einzel-Downlights, Gartenbeleuchtung 12 V, 15 V, 20 V, 24 V, 30 V, 36 V, 48 V, 54 V
HLG-60H 60 W LED-Kanalprofile (Buchstaben), Schaufensterbeleuchtung 12 V, 15 V, 20 V, 24 V, 30 V, 36 V, 48 V, 54 V
HLG-80H 80 W Mittlere Leuchtschilder, Einbaupanele im Außenbereich 12 V, 24 V, 36 V, 48 V, 54 V
HLG-100H 100 W Flutlicht-Anbau, Parkhaus-Beleuchtung, Tunnellicht 12 V, 24 V, 36 V, 48 V, 54 V
HLG-120H 120 W Große Leuchtreklamen, Wandfluter, Außenfassaden 12 V, 24 V, 36 V, 48 V, 54 V
HLG-150H 150 W Straßenbeleuchtung (kleinere Masten), LED-Strahler 12 V, 24 V, 36 V, 48 V, 54 V
HLG-185H 185 W Industriestrahler, Sportstättenbeleuchtung (Einstieg) 24 V, 36 V, 48 V, 54 V
HLG-240H 240 W Hochleistungs-Außenleuchten, Hallenstrahler (Außen) 24 V, 36 V, 48 V, 54 V
HLG-320H 320 W Straßenbeleuchtung (große Masten), Tunneleinfahrten 24 V, 36 V, 48 V, 54 V
HLG-480H 480 W Sportstätten, Großprojekte Außenfassaden 24 V, 36 V, 48 V, 54 V
HLG-600H 600 W Industrielle Außenbeleuchtung, Stadionfluter, Großwerbeflächen 24 V, 36 V, 48 V, 54 V
Praxis-Tipp: 15–20 % Reserve einplanen. Dimensionieren Sie die Leistung nie auf 100 % Auslastung. Wer z. B. 200 W LED-Last betreiben möchte, wählt das HLG-240H – nicht das HLG-185H. Der Effizienzbereich und die thermische Belastung verbessern sich erheblich, wenn das Netzteil dauerhaft bei 70–80 % läuft.

4) CV vs. CC bei der HLG-Serie: Beide Modi in einem Gerät

Ein entscheidender Vorteil der HLG-Serie gegenüber einfacheren Modellen ist der CV+CC-Hybridbetrieb. Das Gerät regelt primär die Ausgangsspannung (CV – Konstantspannung). Sobald die Last eine definierte Stromschwelle überschreiten würde, schaltet es automatisch in den CC-Modus (Konstantstrom) und begrenzt den Strom auf seinen Nennwert.

Daraus ergeben sich zwei Einsatzmöglichkeiten in einem einzigen Gerät:

  • CV-Betrieb (Standardfall für LED-Streifen): Das HLG liefert z. B. konstante 24 V. LED-Streifen und parallelgeschaltete Module werden wie gewohnt betrieben. Der CV-Modus schützt das Netzteil automatisch vor Überlast.
  • CC-Betrieb (für Power-LEDs und COB-Module): Der HLG-C-Typ (z. B. HLG-185H-C) liefert ausschließlich Konstantstrom (z. B. 1050 mA oder 1400 mA) bei variierender Spannung. Ideal für Hochleistungs-LEDs in Straßenleuchten und Strahlern, die keinen Vorwiderstand mitbringen.

Mehr zum Unterschied zwischen CV und CC lesen Sie in unserem Beitrag Konstantspannung vs. Konstantstrom.

5) Dimmen mit der HLG-Serie: 3-in-1 erklärt

Der B-Typ der HLG-Serie unterstützt drei Dimmverfahren über denselben Eingang – Sie müssen beim Kauf nicht vorab festlegen, welches Sie nutzen:

  • 0–10 V (Analogsignal): Klassische Methode für professionelle Lichtsteuerungen (KNX, DALI-Gateway mit analogem Ausgang). 0 V = ausgeschaltet (dim-to-off), 10 V = volle Helligkeit.
  • PWM-Signal (10 V): Kompatibel mit PWM-Controllern und SPS-Ausgängen mit 10-V-PWM-Signal. Besonders in industriellen Außenanlagen und Smart-Lighting-Projekten verbreitet.
  • Widerstand (Potentiometer): Einfachste Methode – ein handelsübliches Potentiometer (100 kΩ) reicht aus, um die Helligkeit manuell zu regulieren. Ideal für Anlagen ohne Steuerbus, z. B. Einzelstrahler mit manuellem Dimmer.

Alle drei Methoden lassen sich über denselben Steuereingang nutzen – der Eingang erkennt automatisch, welches Signal anliegt. Mehr Hintergrundinformationen zu den Dimmverfahren finden Sie in unserem Artikel PWM vs. DALI – Welche Dimmtechnik ist die beste für Ihr Projekt?

6) IP65 oder IP67 – was ist der Unterschied und wann brauche ich welches?

Beide Schutzgrade begegnen Ihnen bei der HLG-Serie:

  • IP65 (A-Typ und AB-Typ): Vollständiger Schutz gegen Staub und Schutz gegen Strahlwasser aus beliebigem Winkel. Geeignet für überdachte Außenbereiche, Vordächer, Fassadenmontage mit Regenabdeckung.
  • IP67 (Typ ohne Suffix und B-Typ): Zusätzlich zeitweiliges Untertauchen bis 1 m Tiefe für 30 Minuten. Geeignet für direkte Wetterexposition, Bodennähe (z. B. Bodeneinbau-Strahler, Pflasterlicht) und Anlagen, die durch Reinigungsprozesse mit Wasser in Kontakt kommen.
Empfehlung: Im Zweifel immer IP67 wählen. Der Aufpreis gegenüber IP65 ist bei der HLG-Serie minimal. Die deutlich höhere Schutzwirkung zahlt sich besonders in norddeutschen Klimabedingungen und bei Dachkanten-Montagen aus, wo gelegentliche Wasseransammlungen nicht ausgeschlossen werden können.

7) Die richtigen Produkte für Ihr Projekt

So finden Sie schnell das passende HLG-Modell in unserem Shop:

Leuchtreklame & Signage

HLG-40H bis HLG-120H

40–120 W, 12 V oder 24 V, IP67 B-Typ für Dimmung. Für LED-Kanalprofile, Leuchtbuchstaben und Außenschilder.

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Straßen- & Wegebeleuchtung

HLG-150H bis HLG-320H

150–320 W, 24–48 V, IP67. Langlebig und wartungsarm für kommunale und gewerbliche Außenleuchten.

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Industrie & Großprojekte

HLG-480H / HLG-600H

480–600 W, 24–54 V. Für Sportstätten, Hallenstrahler und industrielle Außenflächen mit höchstem Leistungsbedarf.

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Power-LEDs & COB-Module

HLG-C Konstantstrom-Typen

CC-only Variante (350 mA – 3500 mA) für Hochleistungs-LEDs ohne eigenen Vorwiderstand. Straßenleuchten, Strahler.

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8) Technische Eckdaten im Überblick

Eigenschaft HLG-Serie (Standard)
Betriebsmodus CV+CC (Konstantspannung + Konstantstrom)
Schutzgrad IP65 (A/AB-Typ) oder IP67 (Basis/B-Typ)
Leistungsbereich 40 W bis 600 W (11 Stufen)
Ausgangsspannungen 12 V, 15 V, 20 V, 24 V, 30 V, 36 V, 42 V, 48 V, 54 V
Dimmfunktion (B-Typ) 3-in-1: 0–10 V / PWM / Widerstand
Eingangsspannung 90–305 V AC (universell)
Power Factor Correction Aktiv PFC (> 0,90)
Wirkungsgrad bis zu 94 %
Betriebstemperatur −40 °C bis +70 °C (mit Derating ab 50 °C)
Garantie 7 Jahre
Zertifizierungen CE, TÜV, UL, CB, EAC

9) Typische Fehler bei der HLG-Auswahl – und wie Sie sie vermeiden

  • Falschen Suffix bestellt: Wer Dimmen benötigt, muss den B-Typ bestellen. Der Typ ohne Suffix oder der A-Typ bieten keine 3-in-1-Dimmfunktion. Diese Verwechslung kostet Umtauschkosten und Projektzeit.
  • IP65 statt IP67 bei Direktmontage im Freien: In Deutschland reicht IP65 für abgedeckte Außenbereiche. Für ungeschützte Montage (Dach, Boden, exponierte Fassaden) sollte es immer IP67 sein.
  • Leistung zu knapp kalkuliert: Wie bei allen Netzteilen gilt: 15–20 % Reserve einplanen. Das HLG-185H für 200 W Last ist eine schlechte Idee – nehmen Sie das HLG-240H.
  • Spannung nicht ans System angepasst: Die meisten LED-Streifen laufen auf 12 V oder 24 V. COB-Module und professionelle Leuchten laufen häufig auf 36 V, 48 V oder 54 V. Prüfen Sie das Datenblatt Ihrer Last, bevor Sie die Ausgangsspannung festlegen.
  • Derating bei Hitze ignoriert: Ab 50 °C Umgebungstemperatur reduziert die HLG-Serie ihre Ausgangsleistung (Derating). In geschlossenen Gehäusen oder bei Südexposition im Hochsommer kann das relevant werden. Planen Sie Belüftung oder wählen Sie die nächsthöhere Leistungsstufe.

10) Häufige Fragen

Kann ich ein HLG-Netzteil auch für Innenanwendungen nutzen?

Ja, ohne Einschränkung. Der IP67-Schutz schadet in Innenräumen nicht – er ist einfach nicht notwendig. In platzkritischen Inneninstallationen kann die Mean Well UHP-Serie die kompaktere Alternative sein.

Was bedeutet die 7-Jahres-Garantie in der Praxis?

Mean Well gewährt für die HLG-Serie eine Herstellergarantie von 7 Jahren ab Kaufdatum. Das ist in dieser Leistungsklasse außergewöhnlich und spiegelt die MTBF-Werte (Mean Time Between Failures) von teils über 300.000 Stunden wider. Für professionelle Installationen, bei denen Reparaturkosten und Ausfallzeiten teuer sind, ist das ein ernstes Kaufargument.

HLG oder ELG – welche Serie wählen?

Beide Serien sind IP67-zertifiziert und bieten CV+CC-Betrieb. Der Unterschied: Die ELG-Serie ist die günstigere Alternative mit kürzerer Garantie (5 Jahre) und etwas schlankerem Funktionsumfang. Die HLG-Serie ist die Premium-Wahl mit 7 Jahren Garantie, breiterem Leistungsspektrum und ausgereifterem Thermomanagement. Für hochwertige Dauerinstallationen empfehlen wir immer die HLG-Serie.

Kann ich mehrere HLG-Netzteile parallel schalten?

Im CV-Modus ist eine Parallelschaltung zur Leistungserhöhung nicht vorgesehen – Standard-HLG-Modelle unterstützen kein Current Sharing. Für sehr hohe Leistungen empfehlen wir, ein einzelnes Modell der nächsthöheren Leistungsstufe zu wählen (z. B. HLG-600H statt zwei HLG-320H). Redundanzlösungen mit Diodenmodulen sind jedoch möglich.

Ist ein B-Typ auch ohne Dimmer voll funktionsfähig?

Ja. Wenn kein Dimmsignal am Steuereingang anliegt, arbeitet das HLG-B automatisch auf voller Leistung (100 %). Sie können den Dimmereingang vollständig unbeschaltet lassen – das Netzteil verhält sich dann identisch wie der Typ ohne Suffix.

Fazit: Wann lohnt sich die HLG-Serie?

Die Mean Well HLG-Serie ist die richtige Wahl, wenn Sie eine Außeninstallation planen, die mehr als 3–5 Jahre ohne Wartungseingriff laufen soll. IP67-Schutz, 7 Jahre Garantie, flexibles Dimming und CV+CC-Hybridbetrieb in einem Gerät – das ist ein Paket, das in dieser Preisklasse konkurrenzlos ist.

Als Faustformel: LPV für einfache Außenanwendungen ohne Dimmen bis 100 W. HLG für alles, wo Langlebigkeit, Dimming oder hohe Leistungen entscheidend sind.

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